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Modellbasierte Fehlerdiagnose und vorausschauende Wartung in Energiespeichersystemen (ESS)

Model-based fault diagnosis diagram for energy storage systems.

Da Energiespeichersysteme (ESS) zu einem zentralen Bestandteil moderner Stromnetze werden, ist die Gewährleistung ihrer langfristigen Zuverlässigkeit und Sicherheit von höchster Bedeutung.
Modellbasierte Fehlerdiagnose und vorausschauende Wartung haben sich als Schlüsseltechnologien erwiesen, um diese Ziele zu erreichen.
Durch die Integration von digitaler Modellierung, Systemanalyse und Echtzeitdaten ermöglichen diese Ansätze eine frühzeitige Fehlererkennung, Ursachenanalyse und proaktive Wartung – was Ausfallzeiten reduziert und die Lebensdauer der Systeme verlängert.

Bedeutung der Fehlerdiagnose in Energiespeichersystemen

Ein Energiespeichersystem besteht aus mehreren kritischen Subsystemen: Batteriemodule, Batteriemanagementsystem (BMS), Stromumwandlungssystem (PCS) und Thermomanagementeinheit.
Fehler in einer dieser Komponenten können zu Leistungsabfällen oder sogar zu gefährlichen Ereignissen wie einem thermischen Durchgehen führen.

Traditionelle Wartungsmethoden sind häufig reaktiv – sie reagieren erst nach dem Auftreten eines Fehlers.
Im Gegensatz dazu nutzt die modellbasierte Fehlerdiagnose mathematische oder datenbasierte Modelle, um die ESS-Leistung kontinuierlich zu überwachen, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und potenzielle Fehler vorherzusagen, bevor sie kritisch werden.

Zentrale Vorteile:

  • Höhere Systemverfügbarkeit und weniger ungeplante Ausfälle

  • Verbesserte Batteriezustands- und Lebensdauerüberwachung

  • Früherkennung von Anomalien wie Überspannung, Übertemperatur oder Zellungleichgewicht

  • Geringere Betriebs- und Wartungskosten (O&M) durch vorausschauende Eingriffe

Grundlagen der modellbasierten Fehlerdiagnose

Die modellbasierte Fehlerdiagnose vergleicht das erwartete Verhalten des Systems (aus Modellen abgeleitet) mit tatsächlichen Sensordaten.
Wenn die Abweichungen einen definierten Schwellenwert überschreiten, wird ein möglicher Fehler erkannt.

Es gibt zwei Haupttypen von Modellen:

a. Physikbasierte Modelle

Diese basieren auf elektrochemischen und thermischen Gleichungen, die das Verhalten von Batterien unter verschiedenen Bedingungen beschreiben.

  • Sie bieten hohe Interpretierbarkeit und ermöglichen die Identifikation physikalischer Fehlerursachen.

  • Besonders geeignet zur Erkennung von Zellfehlern wie internen Kurzschlüssen oder Kapazitätsverlusten.

b. Datenbasierte Modelle

Diese Modelle nutzen maschinelles Lernen und statistische Methoden, um historische und Echtzeitdaten zu analysieren und Fehlerstrukturen zu erkennen.

  • Ideal für komplexe, großskalige Systeme.

  • Sie können sich dynamisch verbessern, je mehr Betriebsdaten verfügbar sind.

Hybrider Ansatz

Die Kombination physikbasierter und datenbasierter Modelle schafft ein hybrides Diagnosesystem, das sowohl präzise als auch adaptiv ist.
Dieser Ansatz, oft als physik-informierte KI bezeichnet, vereint technisches Wissen mit der Vorhersagekraft künstlicher Intelligenz.

Vorausschauende Wartung durch modellbasierte Analytik

Die vorausschauende Wartung nutzt Diagnoseergebnisse, um vorherzusagen, wann ein Bauteil wahrscheinlich ausfallen wird.
Anstelle fester Wartungsintervalle werden zustandsbasierte Eingriffe empfohlen – also nur dann, wenn das System sie wirklich benötigt.

Wichtige Vorhersageparameter:

  • Verlauf von State of Health (SOH) und State of Charge (SOC)

  • Temperaturgradienten zwischen Modulen

  • Spannungsabweichungen und interne Widerstandsänderungen

  • Zyklusanzahl und Degradationsmuster

Diese Parameter fließen kontinuierlich in das Modell ein, das die Restlebensdauer (Remaining Useful Life, RUL) jedes Subsystems berechnet.
So können Wartungsmaßnahmen gezielt geplant werden, wodurch unnötige Austausche und unerwartete Ausfälle vermieden werden.

Umsetzung in modernen ESS-Plattformen

Führende Anbieter integrieren heute modellbasierte Fehlerdiagnose und vorausschauende Wartung direkt in ihre Energie-Management-Systeme (EMS) und Cloud-Plattformen.

Zentrale Implementierungselemente sind:

  • Echtzeit-Datenerfassung über IoT-Sensoren und Edge-Geräte

  • Cloudbasierte digitale Zwillinge zur dynamischen Modellierung des ESS

  • KI-Algorithmen zur Mustererkennung und Fehlerprognose

  • Automatische Alarme und Wartungsplanung über EMS-Dashboards

Dieser modellgetriebene Ansatz wandelt die ESS-Wartung von einem reaktiven in ein proaktives System um – mit deutlich höherer Betriebssicherheit.

Praxisbeispiel: Batteriemonitoring mit digitalem Zwilling

In einem großen industriellen ESS-Projekt wurde ein digitaler Zwilling eingesetzt, um Batterie- und PCS-Betrieb in Echtzeit zu simulieren.
Durch den Vergleich von simulierten und realen Daten konnten leichte thermische Anomalien frühzeitig erkannt werden, bevor sie zu ernsthaften Fehlern führten.
Diese präventive Maßnahme reduzierte die Wartungskosten um 30 % und verlängerte die Systemlebensdauer um über 20 % – ein klarer Beweis für die Effektivität modellbasierter, vorausschauender Wartung.

Zukunftsausblick: Von der Diagnose zum selbstheilenden ESS

Die Weiterentwicklung modellbasierter Diagnosen führt zu selbstheilenden Energiespeichersystemen, bei denen KI-Algorithmen nicht nur Fehler erkennen, sondern auch automatisch Betriebseinstellungen anpassen, um sie zu verhindern.
Dank Fortschritten in künstlicher Intelligenz, Edge-Computing und digitalen Zwillingen werden künftige ESS-Systeme in der Lage sein, sich selbst zu optimieren und unter komplexen Netzbedingungen sicher und effizient zu arbeiten.

Fazit

Modellbasierte Fehlerdiagnose und vorausschauende Wartung markieren einen entscheidenden Schritt in der Entwicklung moderner Energiespeichersysteme.
Durch die Kombination technischer Modelle mit KI-gestützter Analytik können Betreiber Sicherheit, Effizienz und Lebensdauer ihrer Systeme erheblich verbessern.
Mit der steigenden Nachfrage nach zuverlässigen, intelligenten Speicherlösungen wird modellgetriebene Intelligenz zum Fundament der nächsten Generation von Energiemanagementsystemen.

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